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Bergbaureise 2014 Potosi

2014 Okt
SILBER BERGBAU – POTOSI (BO)

Auf dem Weg nach Argentinien haben wir einen Zwischenstopp in Potosí eingelegt, um anhand eines historischen Beispiels den konventionellen Silberbergbau kennen zu lernen.

Seit 1545 n.Chr. wird am Berg Cerro Rico (Reicher Berg) im großen Stil Silber abgebaut. Als Bergbausiedlung etwas unterhalb des Berges gegründet, ist Potosi heute mit 4070 Meter Höhe die höchst gelegende Großstadt der Welt …….und das merkt man auch: Die sauerstoffarme Luft führt zu Kurzatmigkeit, jede Bewegung kann nur langsam ausgeführt werden und die Luft bleibt einem schnell weg.

Es ist kaum vorstellbar, dass man in dieser Höhe schwere Arbeiten verrichten kann und dennoch kennen es die zahlreichen Minenarbeiter im Berg nicht anders.
Wir haben an zwei Tagen gemeinsam mit einheimischen Mineros die Minen besucht und konnten so einen umfassenden Eindruck Ihrer Arbeit bekommen. Die Schächte und Stollen führen viele hundert Meter weit und tief in den Berg hinein. Die Erze, die neben Silber u.a. auch Kupfer, Zinn und Zink enthalten, werden mit Dynamit aus dem Berg gesprengt. Anschließend wird das Gestein mit Loren an die Erdoberfläche transportiert und in sogenannten Plantas zermahlen. Aus dem feinen Steinstaub können dann mit verschiedenen Chemikalien im Flotations-Verfahren die einzelnen Metalle getrennt werden.

Die Situation in den Minen des Cerro Rico ist desolat:
Entweder arbeiten die Mineros alleine oder in Kooperativen zusammen. Die Arbeitssicherheit ist sehr schlecht. Während wir aufgrund von Staub in den Minen und trotz Mundschutz an den Folgetagen mit deutlichen Atembeschwerden zu tun hatten, arbeiten die Mineros im Wesentlichen ohne Atemschutz. Die Folge sind Staublungen-Erkrankungen (Silikose) zumeist schon im mittleren Alter und eine verkürzte Lebenserwartung (zwischen 45 und 50 Jahre). Zudem kommt es nicht selten zu Arbeitsunfällen durch Sprengungen, einstürzende Stollen und Gasentwicklungen. Und obwohl das bolivianische Recht Kinderarbeit bisher verboten hat, fangen die Mineros nicht selten schon mit 12-14 Jahren an in den Minen zu arbeiten.
Daneben könnte die ökologische Situation in den Aufbereitungsanlagen deutlich besser sein. So wurde uns mehrfach berichtet, dass es bei starken Regenfällen nicht selten vorkommt, dass die Plantas überlaufen und Chemikalien in die Umwelt gelangen.

Unser Fazit: Der Silberbergbau muss unter sozialen und ökologischen Gesichtspunkten besser organisiert werden als es in Potosi und vieler Ort üblich ist!

Historischer Hintergrund:
Der Silberbergbau hat in Bolivien eine Jahrhunderte alte Tradition. Nachdem die Konquistadoren aus Spanien im sechzehnten Jahrhundert viele Länder Südamerikas erfolgreich unterworfen hatten war es Ihr größtes Interesse so viel Gold und Silber habhaft zu werden wie möglich. Zunächst wurden bereits geförderte und verarbeitete Edelmetalle der indigenen Bevölkerung, beispielsweise der Inkas, geplündert und eingeschmolzen. Anschließend organisierten die Kolonisatoren den großformatigen Abbau von Gold und Silber in vielen Regionen Südamerikas. Hierfür wurden zahlreiche Dorfgemeinschaften zwangsrekrutiert und zur Arbeit in die Minen geführt. Die Arbeitsbedingungen waren dabei so hart, dass viele tausend Menschen zu Tode kamen. Der Berg Cerro Rico und seine Geschichte stehen hierfür Beispielhaft.

Weitere Bilder findet Ihr hier: www.facebook.com/janspilleschmuck

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